No hard feelings
Genevieve Novak
NO HARD FEELINGS begleitet Penny durch eine Phase ihres Lebens, die ich nie erlebt habe.
Genau das, hätte mich erst fast davon abgehalten, es zu lesen und hat mir anschließend die Augen für so vieles geöffnet.
Ein Teil von mir, bereut, dass mir diese Phase im Leben verwehrt blieb, dass ich ein sehr kurzes Studentenleben-Dasein hatte und nie in eine WG gezogen bin. Dass ich den Teil im Leben, in dem man eigenes Geld verdient, aber noch für niemanden verantwortlich ist, übersprungen habe.
Dieser Teil meldet sich immer mal wieder, erst jetzt, versteht sich. Zu dem Zeitpunkt als alle Anderen in ihren Zwanzigern ankamen, hatte ich keine Zeit mir Gedanken darüber zu machen, wie anders mein Leben hätte aussehen können.
Ich war mit fünfundzwanzig verheiratet, zweifache Mutter, stolze Besitzerin eines Eigenheims und kurz davor zum dritten Mal schwanger zu werden. Ich war in meinem Leben circa dort, wo die Generation vor mir mit Mitte Zwanzig war, und meilenweit weg von dem, wo die meisten meiner Freunde standen.
Jetzt bin ich Vierzig, und schon wieder an einem Punkt in meinem Leben, der für mein Alter ein wenig A-typisch erscheint. Mein Leben dreht sich um Fahrschule, Abitur und die baldige Studentenbude. Man könnte sagen, meine Kinder erwartet das, was ich nie erlebt habe. Vielleicht.
Und während ich in Gedanken über die unterschiedlichen Arten dieses Leben mit Leben zu füllen verweile, lese ich NO HARD FEELINGS.
Ich habe nie gern gedatet, und dennoch denkt ein Teil von mir, etwas verpasst zu haben.
Ich habe nie in meinem Leben allein gewohnt, und das klingt so absurd, dass ich mich manchmal schäme, es zuzugeben.
Ich habe noch nie ein Auto gekauft oder eine Versicherung abgeschlossen.
Mir fehlen da tatsächlich ein paar basic-skills, die jeder Mensch aus seinen Zwanzigern mitnimmt.
Aber irgendwie komme ich auch so sehr gut zurecht.
Nicht alles ist ausschließlich gut in den Zwanzigern.
Eines wird mir beim Lesen klarer denn je. Das Leben ist immer nur so gut, wie die, die es lebt. Vielleicht habe ich eine Phase ausgelassen, die mich gar nicht glücklich gemacht hätte. Wahrscheinlich romantisiere ich etwas, von dem ich keine Ahnung habe.
Denn ich weiß nicht, wie es sich anfühlt, nicht zu wissen, wo das Leben hingeht. Mein Leben war mit zweiundzwanzig vorbestimmt. Der Ort, an dem ich lebe, der Mann mit dem ich es teile, das Kind, das sich auf mich verlässt. All das war da. Und während es so klingt, als würde es einengen und einem die Freiheit rauben, so gibt es doch auch jede Menge Sicherheit. Stabilität. Das Gefühl, sich keine Sorgen über die Zukunft machen zu müssen.
Es ist ein Privileg, nicht auf den richtigen Moment für Kinder warten zu müssen, sondern sich einfach kopfüber in das Abenteuer Familie hinein zu stürzen.
Es ist ein Geschenk, sich nicht zu sorgen, was aus mir wird.
Ironischerweise, entsteht heute der Platz, an dem ich mich das manchmal frage. Denn jetzt, jetzt ist Raum da, für mich. Raum, den ich mit Mitte Zwanzig nicht hatte. Wer sich um Windeln und Spielgruppen dreht, dreht sich selten um sich selbst. Wer sich aber mit fast dreißig nur um sich selbst dreht, dem wird vielleicht hin und wieder auch mal schwindelig.
Und so habe ich es geliebt, NO HARD FEELINGS zu lesen, weil ich eine Art Absolution gefunden habe, diese Phase auszulassen. Weil ich es schön ehrlich finde, dass sich Penny in der vermeintlich sorglosen Phase ihres Lebens um so vieles sorgt. Weil ich es mag, wie sie Fehler macht, die wir alle auf die ein oder andere Art und Weise kennen. Ich hab Penny lieb gewonnen, mich über sie geärgert und hatte manchmal Angst, dass sich ihre Stimmungen auf mich übertragen.
Ich danke ihr, dass sie mir gezeigt hat, dass es kein richtig oder falsch gibt, dass jede Erfahrung zum Leben dazugehört und dass wir manche Fehler mehrmals machen, bevor wir aus ihnen lernen.